Fotografie Preise kalkulieren

Letzte Woche bekam ich folgende Anfrage:

Hallo Sandra, 

 

vielleicht erinnerst du dich noch an mich, ich bin von Wien nach Salzburg gezogen und langsam eingerichtet und möchte jetzt als Fotografin starten und habe mich erst mal als Pressefotografin angemeldet und möchte von da aus jetzt weiter.
 
Ich habe eine TONNE Fragen und … puh. 
Irgendwie fühle ich mich bei dir „normal“ solche Fragen zu stellen, möchte dich aber nicht überfordern oder frech erscheinen. 
Falls du mal in Salzburg sein solltest würde ich dich gern auf einen Kaffee einladen denn einfach so eine Liste runterzurattern erscheint mir unpersönlich und auch etwas dreist. 
 
Eine Frage möchte ich aber trotzdem stellen, vielleicht kannst du mir ja behilflich sein.
Ich habe massive Probleme einzuschätzen wieviel ich verlangen kann.
 
Messefotografie (Stunden/Tag) (Bilder als Anhang in der Mail)
Hochzeitsfotografie (Reception + Shooting/Tagesreportage) 
Hundefotografe (Stunden/Tag)
Food-Fotografie (oder Hunde) -Commissions für Magazine oder Firmen (Projekt/Tag) 
 
Mir ist klar, dass sich alles um die Qualität dreht und man sich in einer bestimmten Gruppe damit einbettet. Ich bin gerade dabei zu starten und würde gerne einfach deine Meinung hören, ob ich da richtig liege.
 
Messefotografie
Ich war vor einigen Wochen als Fotografin auf der Kleinmedizinermesse in Salzburg und werde vorraussichtlich die neue Messefotografin, da der andere abgesprungen ist. Habe aber gerade keine Bilder online aber ich schicke dir drei Fotos mit. Der erste Durchlauf war ein Testrun, ab nächstem Jahr gehts dann los. 
Freitag bis Sonntag, Tagessatz würde ich gerne ansiedeln bei 300 €. Wir werden uns einen Pauschalpreis ausmachen, aber ist dieser Tagessatz normal?
 
Hochzeitsfotografie
Reception + Shooting 350 € (30 hochwertige Bearbeitungen)
Tagesreportage ab 700 € (60 hochwertige Bearbeitungen)
 
Hundefotografie 
Hier habe ich schon etwas Erfahrung und glaube ich liege mit meiner Quote ganz gut.
120 € für ein Shooting / ca. 1-1,5 Std.
Ab drei Hunden bzw. mit Locationwechsel 180 € 1,5-3 Std.
 
Food-Fotografie Magazine/Comissions für Firmen
KEINE AHNUNG
Ich würde einen Stundensatz verlangen, diese Arbeiten dauern selten einen halben Tag. Und wenn, dann Tagespauschale. 
 
Vielleicht bin ich zu blauäugig an dieses Thema herangegangen. Ich hoffe sehr, dass du mir vielleicht einen Denkanstoß geben kannst, wie ich dieses Problem löse. 
 
In Hoffnung bald von dir zu lesen,
Karo
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Fotografie Preise kalkulieren | Angebot schreiben

 

Hallo Karo,

 

ich bin leider kein Profi im Preise festsetzen, habe aber das große Glück, dass meine Eltern Steuerberater sind. Deshalb bin ich rund ums Jahr gut versorgt und vorgewarnt, wenn die nächste Steuergrenze/Versicherungsgrenze was auch immer kommt.
Ich kann mich noch so gut an meinen Anfang erinnern, wie ich vielleicht 30,- pro Stunde angesetzt hätte und mir dann meine Eltern mal klar gemacht haben, dass ich dann quasi für die Katze arbeite. Ich war 20, wollte halt ein paar Bilder professionell bearbeiten und da schienen mir 30,- viel. Auch ich war blauäugig, woher sollte man’s denn wissen? Leider herrscht bei uns so eine Geheimnisstuerei um’s Geschäft und anstatt dass die Kollegen Tips gaben wurde ich eher nur belächelt. Ist mittlerweile nicht mehr so, ich hab sehr viele liebe Kollegen mit denen ich mich sehr gerne austausche. Aber gerade am Anfang ist man halt niemand.
Schon gesehen? Ich habe ein Ebook zum Thema Marketingtipps für mehr Kunden für Hochzeitsfotografen herausgebracht:
 
Preise und Angebote schreiben fällt auch denen die lange im Geschäft sind nicht leicht. Es ist lustig, du kannst der beste Fotograf sein, aber zu wissen, was man dafür verlangen kann ist schwer. Und wenn man nicht genau weiß was man warum verlangt und seine Preise vor Kunden nicht rechtfertigen kann, ist es doppelt so schwer Jobs zu bekommen.

 

Generell kannst du mal die Hälfte aller Einnahmen zur Seite legen, die gehen an die Versicherung, ans Finanzamt etc. Früher oder später holen sich die ihr Geld, da kann man nicht aus. Und das ist auch die große Gefahr vieler Unternehmer, an der sie dann scheitern, da kommen dann Nachzahlungen, Vorauszahlungen, aber das Geld ist dann schon weg.

 

Das tut weh – JA – aber meine Eltern sagen auch, alle fürchten sich so davor Steuern zu zahlen, dass sie gar nicht erst etwas verdienen wollen. Obwohl es ja ein gutes Zeichen ist. Juhuuu ich habe soviel verdient, dass ich Steuern zahlen kann – oder irgendwie so^^

 

Im Wifi haben wir gelernt, dass man als Fotograf nicht unter einen 100,- pro Stunde einnehmen sollte. Jetzt rechnest du mal gleich 50% weg bleiben 50,-. Die muss man aber in den meisten Fällen noch für Bildbearbeitung, Kontaktaufnahme, Abwicklung etc aufteilen.

 

 Es ist ja so, dass immer alle glauben, vor allem meine Oma 🙂 dass ich auf eine Hochzeit gehe, dort 6 Stunden bin, nach Hause gehe und fertig bin. Aber dann beginnt doch die große Arbeit.
Gut dann sagen wir zwei Stunden, was schon sehr großzügig ist. Bleiben 25,-/Stunde und ja ganz ehrlich man will ja auch etwas verdienen. Als Selbstständiger hat man kein geregeltes Einkommen, da gibts Tage da kommt gar nichts und dann wieder zb Sommermonate mit den ganzen Hochzeiten. Und die ganzen Fixkosten (Strom, Internet, Miete, WKO Beitrag etc), Equipment…

 

So gesehen sind 100,- ziemlich wenig. Und man soll ja davon leben können.

 

Jetzt mal zu deinem Messebeispiel. 300,- für den ganzen Tag. Da denke ich jetzt mal so an 8 Stunden. 300,-/8=37,5 € – 50% = 18,75 €
Na hoffentlich hast du da keine Nacharbeit (Bearbeitung) mehr.
Wenn du einen Stundensatz hören willst, dann nimm am Anfang € 70,- her. Aber nicht weniger!!
Also acht Stunden Messe, vier Stunden bearbeiten = 12 x 70 = € 840,-

 

Dann kommt noch dazu welche Rechte du vergibst (Werknutzungsrecht, Werknutzungsbewilligung), manche verrechnen dann auch noch mal pro Bild usw.
Sicher sind da jetzt viele die das lesen anderer Meinung. Ich versuche es dir nur aus meiner Sicht und meinen Erfahrungen zu schildern.
Aber wie gesagt, an die 70,- / 100,- konnte ich mich anlehnen und darauf aufbauen. Vergiss auch nicht die Anfahrtskosten.
Tagessätze liegen bei Fotografen, die ich kenne zw. 600,- und 1500,- je nach Steuer.

 

Ich weiß der Anfang ist so schwer. Keiner weiß wie du fotografierst, ob die Bilder gefallen, usw wo soll man da anfangen?  Ich habe auch viele unbezahlte Jobs anfangs gemacht, nur mal um Erfahrungen zu sammeln. Auch diese Woche habe ich die Abschlussklässler der HAK fotografiert – umsonst! Ja aber immer mit einem Hintergedanken, Zielen und Plänen, was ich daraus machen kann.
Wenn genügend andere Jobs da sind und es die Zeit erlaubt, warum nicht?
Food Fotografie und Rechte, da kenne ich mich zuwenig aus, sorry.
Noch ein paar Tips zusammen gefasst: gelten vor allem für jene die anfangen
  1. Nie, nie, nie Preise runter drücken lassen, mindert deinen Wert und du wirst nicht glücklich, dann lieber den Auftrag sausen lassen
  2. nicht unter 70,- die Stunde wenn du danach keine Arbeit mehr hast
  3. mindestens 100,- wenn Nachbearbeitung anfällt
  4. immer 50% für die lieben Steuern zur Seite legen
  5. anfangs gehören unbezahlte Jobs vermutlich dazu – für’s eigene Portfolio
  6. ganzen Nebenkosten mit einkalkulieren
So hab’s halt ich gelernt, gilt sicher nicht für jeden, aber hoffentlich hilft es dir Karo und ein paar anderen da draußen. Würde mich über Kommentare, neue Fragen, Anregungen, sanfter Kritik freuen 😉

 

Sorry für meine unklaren Sätze, war gestern seit Ewigkeiten wieder mal aus und genieße heute meinen Hochzeitsfreien Samstag 🙂
GLG Sandra
 
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2 Kommentare
  • Karo
    Veröffentlicht um 15:17h, 21 Oktober Antworten

    Liebe Sandra,

    TAUSEND Dank für diese ausführliche Hilfe!
    Du bist einfach der Wahnsinn!
    Dank deiner Hilfe habe ich jetzt eine grobe aber auch viel bessere Vorstellung, wie die Maschinerie mit dem Geld funktioniert.
    Vielen Dank für deinen Einblick und ganz liebe Grüße,
    Karo

  • Simona Knapp
    Veröffentlicht um 19:16h, 13 Januar Antworten

    Liebe Sandra! Du bist wirklich der Wahnsinn! Auch wenn du erst 25 Jahre alt bist, kann man sicher viele Sachen von dir lernen. Werde ich mir die ganzen Tipps merken. LG SIMONA

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