Was macht erfolgreiche Fotografen aus?

Ein paar Gedanken über Fotografen Vorbilder

In vielen Aspekten unseres Lebens schauen wir auf zu anderen Menschen. Die meisten von uns bewundern die eigenen Eltern oder ältere Geschwister. Wir wollen so sein wie jene, die „es geschafft“ haben, wie Schauspieler, Musiker oder reiche Geschäftsleute. Als Fotografen haben wir wahrscheinlich alle unsere Idole in der Branche. Ich möchte euch jedoch mitteilen, dass sie in der Fotografie nicht besser sind als man selbst.

Dieses Jahr bekam ich sehr viele Einblicke hinter die Kulissen der Fotoindustrie. Ich hatte die seltene Gelegenheit, sehr viele meiner Fotografen-Vorbilder zu treffen und kennenzulernen. Ich war in der Lage, Ihnen jene Fragen zu stellen, die sie vor laufender Kamera niemals beantworten würden, wie z.B. „Wie genau hast du diesen Job bekommen?“, „Wie viel hast du mit dieser Kampagne verdient?“ oder „Verdienst du derzeit mehr Geld mit Shootings oder mit Workshops?“. In vielen Fällen sind meine Idole – die Fotografen, denen ich so sehnsüchtig nachstrebe – genau wie ich; in vielen Fällen sind sie mir aber einfach ein paar Jahre voraus.

Manfred Baumann

Manfred Baumann

 

Was offensichtlich alle meine Lieblings-Fotografen gemeinsam haben ist, dass keiner von ihnen denkt, dass sie „es geschafft“ haben. Die meisten von ihnen kämpfen immer noch ständig um den nächsten großen Auftrag oder um die nächste gute Geschäftsidee. Ich hatte angenommen, dass man sich etwas zurück lehnen kann, wenn man es einmal an „die Spitze“ geschafft hat, muss jedoch eingestehen, dass es „die Spitze“ nicht gibt. Egal wie erfolgreich du bist, du kannst immer noch mehr Aufträge bekommen oder mehr für deine Arbeit verlangen. Es ist aufregend, sich ein Ziel zu setzen und dieses dann auch zu erreichen, aber sobald du es erreicht hast wird es Zeit, sich ein neues Ziel zu suchen.

Als ich mit der Fotografie angefangen habe, war mein Ziel, viele Profis zu treffen, um ganz viel Wissen zu sammeln. Ich traf heuer (2013) unter anderem Manfred BAUMANN, Calvin HOLLYWOOD. Von jedem bekam ich eine schier endlose Zahl von Informationen, aber ich war immer verwundert, was viele von ihnen nicht wussten. Beziehungsweise ihre Angehensweise, welche ISO zu benutzen war und wie oft auch sie einfach nur ausprobierten.

Ich habe auch Fotografen getroffen, die mit einem oder mehreren der heute berühmtesten Fotografen zusammengearbeitet haben. Nach ein paar Drinks lockerten sich die Zungen und die Geschichten sind alle ziemlich ähnlich: „Kennst Du die Millionen-$-Kampagne, die _________ umgesetzt hat? Nun, ich war bei diesem Job mit dabei und dieser Fotograf hatte keine Ahnung, was sie da eigentlich machten. Im Grunde musste ich selber dieses Beleuchtungsschema vorschlagen.“ Ich habe so viele Geschichten gehört, dass einige der größten Fotografen unserer Zeit nicht einmal Grundkenntnisse über Beleuchtung, ihre Kamera oder die Post-Produktion  haben.

Als ich viele kleinen Geheimnisse der Branche im letzten Jahr kennengelernt habe, war ich sowohl inspiriert als auch deprimiert. Es ist inspirierend zu wissen, dass die Fotografen, die ich während meiner gesamten Karriere so bewundert habe, nicht anders sind als ich selbst. Es ist auch inspirierend zu wissen, dass selbst die besten Fotografen der Welt immer noch die gleichen Probleme haben wie ich. Und es gut zu wissen, dass es tatsächlich möglich für mich ist, ihr Level zu erreichen.

Gleichzeitig ist es absolut deprimierend wenn ich daran denke, wie viel Zeit und Arbeit damit noch verbunden ist.

Die Fotografen, die deine Vorbilder sind, mögen ihre Kamera nicht besser kennen als du deine, aber sie sind viel besser als du und ich in anderen Dingen, die wesentlich wichtiger sind.

 

Geschäftlich.

Sehr erfolgreiche Fotografen sind überragende Geschäftsmänner und -frauen. Wenn sie selber im verkaufen nicht so gut sind, dann stellen sie jemanden ein, der es ist. Die meisten dieser Fotografen haben ein Management, die ihnen nicht nur helfen Aufträge zu bekommen, sondern auch alle Verhandlungen führen. Zu wenig für einen Auftrag zu verlangen ist schlechter als zu viel zu verlangen und diese Fotografen wissen genau, wie sie mit den einzelnen Kunden ihre Aufträge verhandeln müssen. Aber generell arbeiten sie einfach extrem hart, planen viel und wissen es Umgangsformen korrekt einzusetzen.

Planung.

Als ich im Oktober die Möglichkeit hatte, Calvin Hollywood als Referent zu engagieren, hat er uns aus seinen Erlebnissen berichtet. Er war im Europapark, zur gleichen Zeit hatte auch Marc Terenzi einen Auftritt. Calvin hat mit einem Team auf die Sekunde genau ein Fotoshooting geplant. Er hatte gerade einmal ein paar Minuten Zeit. Er hätte auch ein ganz normales Pressefoto machen können, stattdessen hat er ein kleines Studio aufgebaut und so Marc professionell in Szene gesetzt.

 

Kundeninteraktion und wahrgenommener Wert.

Mir wurde einst vom Assistenten eines Fotografen eine Geschichte erzählt. Der Fotograf stellte bei jedem Fotoshooting 5 – 10 zusätzliche, unnötige Lichter auf und stellte sie so ein, dass sie den Bruchteil einer Sekunde zu spät aufblitzten, so dass sie das eigentliche Bild gar nicht beeinflussten. Auf dem Set waren also 10 Lichter aufgestellt, aber nur 1 oder 2 hatten direkten Einfluss auf das Bild. Der Assistent hörte, wie einer der Art Direktoren zu einem anderen sagte: „Schau Dir diese Produktion an, wir hätten diese Qualität niemals bekommen, wenn wir einen anderen Fotografen genommen hätten.“

Nun, diese Geschichte ist sicherlich reichlich übertrieben, aber „wahrgenommener Wert“ ist real.Warum muss ein Fotograf Fotos für eine Internet-Kampagne mit einer Hasselblad Digital-Kamera schießen? Warum brauchst Du ein 10 Millionen-Dollar-Studio, um Produkte vor einem einfarbigen Hintergrund aufzunehmen? Man muss bzw. braucht das nicht, aber dein Kunde weiß es zu schätzen.

 

Fotografen Vorbilder – ein bisschen mehr.

Wenn du einer der großen Fotografen werden willst, ist alles, was ich oben geschrieben habe, extrem wichtig; ich glaube aber nicht, dass eines dieser Merkmale DAS wichtigste ist. Das wichtigste Merkmal ist etwas, was ich nicht mit ein paar Worten beschreiben kann. Dieses Merkmal hat nichts speziell mit Fotografie zu tun, es hat mit Erfolg im Allgemeinen zu tun. Erfolgreiche Menschen sind „Macher“. Damit meine ich, dass erfolgreiche Menschen Dinge erreichen. In vielen Fällen kommt es dabei gar nicht darauf an, was sie tun, sie müssen irgendetwas nur immer wieder tun. „Talentierte“ Menschen übernehmen Initiative, etwas zu tun, zu kreieren oder zu starten. Der Durchschnittsmensch tut eigentlich nichts selber; er geht zur Arbeit, er tut, was ihm gesagt wird, dann kommt er nach Hause, schaut fern und bereitet sich auf den nächsten Arbeitstag vor. Erfolgreiche Menschen sehen ein Problem und beheben es. Sie haben eine Idee und sie schaffen etwas. Denk an jene Leute, zu denen du „aufschaust“. Wahrscheinlich bewunderst du sie, weil sie etwas Einzigartiges geschafft haben oder etwas komplett anders gemacht haben oder in etwas Speziellem sehr gut können.

Der Durchschnittsmensch ist ein Plauderer. Er behauptet von sich, intelligent zu sein oder talentiert zu sein oder einzigartige Ideen zu haben. Aber er hat auch immer eine Entschuldigung parat, warum er dies oder jenes eben nicht macht. Kennst du eventuell eine Person, die immer „etwas Großes“ plant aber diese große Idee nie realisiert? Immer, wenn du mit dieser Person sprichst, wurde die alte Idee bereits verworfen aber diese neue Idee, „die ist es“ und dieses Mal wird es wirklich klappen. Wahrscheinlich hast du eher wenig Respekt vor dieser Person, weil wenn dir jemand jedes Mal etwas verspricht und dann nichts daraus wird verliert man etwas den Glauben in diesen Menschen. Es ist immer leichter „zu reden“ statt etwas „zu tun“. Genau diese Leute sind dann diejenigen, die sich zurücklehnen, andere Leute, die etwas umsetzen, beobachten und dann über sie oder ihre Projekte schlecht sprechen. Das sind die Leute, die gerne Internetseiten wie die meine besuchen und mich dann in meinen Artikeln angreifen und meine Arbeit schlecht machen.

Die Wahrheit ist, dass erfolgreiche Menschen gar nicht genug Zeit haben, um andere schlecht zu machen, weil sie zu beschäftigt sind – zum Beispiel mit Geld verdienen. Wenn du nur einen Punkt aus diesem Artikel mitnimmst, lass es diesen sein: hör auf zu reden und beginne zu handeln. In meiner Welt gibt es so viele Leute mit „großen Ideen“, an denen sie mich teilhaben lassen wollen. Mein Standpunkt ist, dass ich nur mit Leuten zu tun haben will, die bewiesen haben, dass sie ihre Ziele auch wirklich erreichen wollen. Jeder hat gute Ideen, das ist kein einzigartiges Talent. Das Talent liegt darin, diese Idee auch in die Realität umzusetzen.

Was um alles in der Welt hat das mit Fotografie zu? Es hat alles mit Fotografie zu tun. Unabhängig davon, auf welcher Stufe deiner Fotografen-Karriere du stehst, du musst wöchentlich bessere Fotos machen. Das bedeutet nicht, dass du mehr Fotos machen musst, es bedeutet, dass du bessere Bilder machen musst. Sprichst du über dein nächstes Konzept für ein Bild oder planst du es durch und schießt es innerhalb weniger Tage und gehst dann zur nächsten Idee über? Wenn du für dich selbst Bilder machst, wie akribisch und genau bist du in Bezug auf das fertige Foto? Versuchst du, die talentiertesten Models, Stylisten und Retuscheure in deiner Umgebung zu bekommen? Am Anfang könnte es etwas schwierig sein, die begabtesten Leute dazu zu bewegen, mit dir zusammen zu arbeiten, aber wenn du dich einmal bewiesen hast, wird die Begabung dich finden. Ich wette, du hast eine Idee für ein einzelnes Bild oder eine Foto-Serie oder eine Hintergrunddoku, über die du buchstäblich schon Jahre nachdenkst. Schalte deinen Computer und deinen Fernseher aus und tu es einfach. Wenn du damit fertig bist, genieß für 1 Tag das Gefühl, ein Ziel erreicht zu haben und geh dann über zur nächsten Idee.

Die Fotografen, die ich bewundere mögen – technisch gesprochen – keine besseren Fotografen sein als ich, sie sind jedoch weit besser in den Bereichen, auf die es ankommt. Ich versuche immer noch herauszufinden, wie ich den Sprung von einem durchschnittlichen Fotografen zu einem an der Spitze schaffe, wie ich aber vorhin erwähnt habe, ich glaube nicht, dass es diese Spitze gibt. Der Weg zum Erfolg ist für 99% der Menschen kein Sprung, es ist ein stetiges Wachstum von einem erfolgreichen Projekt zum nächsten. Man wird nicht direkt von einem Shooting für Model Heidi Klum zu einer Kampagne für Prada kommen, aber wenn du dich verhältst als ob jedes deiner Foto-Shootings für Prada wäre habe ich keinen Zweifel, dass du dorthin auch kommen wirst. Die Fotografen, zu denen wir alle aufblicken, mussten genau wie wir ebenfalls ganz unten beginnen. In meinen Augen bin ich ein durchschnittlicher Hochzeitsfotograf, ich bin daher immer schockiert und auch geschmeichelt, wenn ich höre, dass ich jemanden anderen in irgend einer Art und Weise inspiriert habe. Vor drei Jahren hatte ich Probleme, meinen nächsten Job zu bekommen wie viele von euch auch und niemand kannte mich. Ehrlicherweise habe ich immer noch Probleme, meine nächsten Fotojobs klarzumachen. Ich hätte nie gedacht, dass ich dahin komme, wo ich heute bin. Ich hatte lediglich eine Idee und im Gegensatz zu allen meinen Ideen, die nicht funktioniert haben, hat diese tatsächlich geklappt. Ich setzte etwas um und es hat sich rentiert. Ehrlich gesagt bin ich nicht anders als die anderen, im besten Fall bin ich lediglich ein paar Jahre voraus.

 

Ich hoffe, dass dich dieser Artikel inspiriert hat. Ich hoffe, dass du nun verstehst, dass du genau wie jeder andere in der Lage bist, es „zu schaffen“. Es gibt eine Menge Ideen, die darauf warten, in die Realität umgesetzt zu werden.

Fotografie Kurs Wels Linz

 

10 Kommentare
  • Thomas Waage
    Veröffentlicht um 15:57h, 29 Dezember Antworten

    Hallo Sandra, habe mir deinen Blog gelesen. Ich glaube das ich dich seit anfang an im Facebook bekleite. Ich bin kein storker aber mir gefällt einfach deine Arbeit und die Fotos die du machst, nicht zu vergessen auf deine tollen Videos. Ich habe so ein Gefühl das du den richtigen Weg eingeschlagen hast. Mach weiter so und du wirst dein Ziel sicher auch erreichen – was immer das auch ist. Tolle Arbeit. Lg und ein genau so erfolgreiches Jahr wie 2013 wünsche ich dir 2014. Thomas Waage

    • admin
      Veröffentlicht um 16:00h, 29 Dezember Antworten

      Danke Thomas! Ich weiß es, dass du mich schon so lange „verfolgst“ (hört sich auf deutsch immer so negativ an) 😉 Dafür bin ich dir und jeden anderen sehr dankbar. Wünsche auch dir viel Erfolg und einen guten Rutsch für 2014!! GLG Sandra

  • Ursula
    Veröffentlicht um 17:53h, 29 Dezember Antworten

    Hallo, Sandra!

    Ich befinde mich noch ganz am Anfang, bewundere aber deine Arbeit und empfehle dich laufend weiter. Danke für den inspirierenden Artikel!

    Liebe Grüße, Ursula

    • admin
      Veröffentlicht um 17:47h, 30 Dezember Antworten

      Hallo Ursula, vielen Dank dafür!! Wenn du Fragen über irgendetwas hast, kannst mir jederzeit gerne schreiben. Guten Rutsch für Silvester 2014 😉 glg Sandra

  • Johanna Aichmair
    Veröffentlicht um 23:57h, 29 Dezember Antworten

    Hi Sandra!! Also ich für meinen Teil kann nur sagen, dass du für mich jetzt schon ein Vorbild bist!! Es ist echt bewundernswert, was du bis jetzt schon geschafft hast und deine Bilder anzusehen macht einfach Spaß!! Bin schon gespannt auf die nächsten Fotos!! Mach weiter so!!
    LG Johanna

    • admin
      Veröffentlicht um 17:46h, 30 Dezember Antworten

      Johanna, wow danke für deinen Eintrag!! Treibt mich an weiter zu machen und zu wissen dass ich diesen Artikel nicht nur für mich geschrieben habe!! Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr!! Glg Sandra

  • Christina Kapl
    Veröffentlicht um 13:44h, 06 Januar Antworten

    Hi Sandra,
    du sprichst mir aus der Seele, genauso ist es! Immer will man mehr, und auch wenn das Ergebnis eigentlich gut ist, findet man immer etwas, das man besser machen könnte. Und so lange es so ist, und man sich nicht ausruht, wird man auch an sich arbeiten.
    Danke für diesen schönen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Christina

    • admin
      Veröffentlicht um 14:01h, 06 Januar Antworten

      Hallo Christina,
      Danke für deinen Kommentar, schön wenn der Blog zu „leben“ beginnt. Super Fotos auch auf deiner Homepage! Toller Einsatz von Licht, Schatten und Farben!!
      Liebe Grüße Sandra

  • Martina Schurian
    Veröffentlicht um 20:15h, 14 Oktober Antworten

    Danke Sandra für diesen tollen Artikel. Ich selbst bin sogar schon von dem einen oder anderen Fotografen angesprochen worden, dass ich ihn inspiriere und ein Vorbild bin. Ich war auch ganz schockiert und geschmeichelt zugleich – ich denke, selbst ist man immer selbstkritischer und sieht die Bilder mit anderen Augen als andere. Man sieht Fehler, die man beim nächsten Mal nicht mehr macht oder versucht, diese nicht mehr zu machen. Man lernt von Shooting zu Shooting, und kitzelt mit der Zeit auch seine Bereiche heraus, die einem gefallen – oder wo man sich spezialisieren möchte. So wie du dich als Hochzeitsfotografin siehst, sehe ich mich als Familien- und Kinderfotografin – habe aber auch seit meiner letzten Erfahrung mit Tieren nun einen Bereich entdeckt, den ich weiter ausbauen möchte. Meine Welt besteht aus einer Flut von Bildern und man vergleicht sich automatisch – sehe ich Fotos, die ich vor zwei oder drei Jahren gemacht habe – sieht man einfach die Entwicklung – vor allem wie es nach oben geht. Und das mit den Fotojobs klar machen, denke ich wird immer bestehen – solange man selbständig ist und für sein Tun & für sein Einkommen verantwortlich ist. Aber es macht doch Spaß? Und das ist das Wichtigste!

    LG
    Martina

    Ma’Schu-ting Fotodesign

  • silke
    Veröffentlicht um 08:34h, 16 Oktober Antworten

    oh wie geil geschrieben – einfach nur DANKE <3

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