Welches Objektiv verwendet Fotografin Sandra wofür?

 

Mein Name ist Julia, ich bin 17 Jahre alt und gehe in die HBLA für Künstlerische Gestaltung in Linz. Diesen Sommer darf ich ein Praktikum bei Sandra im Fotostudio absolvieren und heute habe ich sie gefragt welche Objektive sie wofür verwendet.


Generell habe ich heute zwei verschiedene Arten von Objektiven kennen gelernt – die Festbrennweiten Objektive und die Zoomobjektive. Dabei gibt es die verschiedensten Eigenschaften, die mit ihrer Brennweite zu tun haben. In diesem Blog möchte ich euch mein bisheriges Wissen darüber näherbringen und einige praktische Tipps mitgeben.

 

Vorerst: Das Aufnahmeformat, der Bildwinkel und die Brennweite hängen zusammen. Das heißt, dass die Zahl der Größe des Formates genutzt werden kann, um die Brennweite für das bestimmte Objektiv zu berechnen. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Vollformat Kamera und einer Kamera mit APS-C Sensor. Also wäre das Bild dann beim APS-C Sensor beschnitten oder „näher heran gezoomt“. Diesen Faktor nennt man „Crop-Faktor“. Das klingt jetzt etwas kompliziert und wir haben unser Wissen dazu auch in der Schule mit Tests beweisen müssen. Doch ich war erleichtert, dass dieses Umrechnen in der Praxis bei Sandra nicht angewendet wird, sondern viel mit Gefühl und Ausprobieren fotografiert wird.
Sandra jedoch fotografiert nur mit Vollformatkameras (Canon 5D), mit denen der gewünschte Bildausschnitt nicht beschnitten wird.

Festbrennweitobjektive

Bei den Festbrennweiten Objektiven habe ich drei verschiedene Objektive kennen gelernt.
Der generelle Unterschied zu Zoomobjektiven ist, dass man nicht zoomen kann, sondern kann den Bildausschnitt nur durch vor- und zurückgehen ändern.

  • 35mm: Bei dieser Brennweite erscheint das Objekt weiter entfernt, wenn man durch die Linse sieht. Daher muss man näher an das Objekt rangehen, um den gewünschten Bildausschnitt zu bekommen. Aber Vorsicht bei Portraits, da kann das Gesicht schnell verzerrt wirken. Sandra nimmt dieses Objektiv gerne, um Geschichten einzufangen, um mehr von der Szene drauf zu bekommen und trotzdem viel Unschärfe ins Bild zu bekommen.

 

  • 50mm: Ausgehend vom menschlichen Auge beträgt der normale Winkel, in dem man Bilder macht, ungefähr 50°. Dieser Winkel entspricht somit der Größe eines Vollformatsensors und einer Brennweite von 50mm entsteht.
    Einfach gesagt kann man seinen Bildausschnitt genauso aufnehmen, wie man ihn mit dem Auge sieht, ohne dass er beschnitten oder größer ist.
    Dieses Objektiv verwendet sie erst seit heuer, da es ihr von Hartlauer zur Verfügung gestellt worden ist. Mittlerweile ist es sogar neben dem 85mm Objektiv ihr Lieblingsobjektiv geworden.

 

  • 85mm: Mit diesem Objektiv kann man sich Motive sehr nah heranholen. Wenn man gerne mehr aufs Bild bekommen möchte, muss man dazu weiter nach hinten gehen. Ideal ist dieses Objektiv für Paarshootings und Portraits, wenn man eine große Unschärfe im Hintergrund (und Vordergrund) haben möchte.

Bei den Objektiven kann man zwischen Auto- und Manuellen Fokus wählen. Der Fokus in der Manuellen Einstellung wird mit dem Schärfering am Objektiv festgelegt.
Achtung: den Schärfering in der Autofokus Einstellung nicht drehen, da so der Mechanismus gestört wird. Sandra fotografiert zu 95% mit dem automatischen Fokus.

Übrigens sind diese drei Sandras Lieblingsobjektive – 35, 50, 85mm, da sie große Blenden aufweisen, lichtstark sind, eine schöne Unschärfe im Hintergrund erzeugen. Sie sind immer in ihrer Neoprentasche mit dabei. (Zu der Tasche später mehr)

Naheinstellgrenze:

Diese erlaubt manchen Objektiven nicht näher als zum Beispiel einen Meter ran zu gehen. Das merkt man spätestens dann, wenn man auf den Auslöser drückt und die Kamera aber nicht auslösen möchte. Man kann das zwar umgehen, in dem man den manuellen Fokus auswählt. Aber das Bild wird dann mit ziemlicher Sicherheit unscharf werden.

 

 

Zoomobjektive

Bei den Zoomobjektiven habe ich auch drei verschiedene kennen gelernt:

 

  • Weitwinkel: 16- 35mm, diese sind speziell für Innenräume, wie in der Kirche, für Gruppenfotos, Landschaften, … Generell wo viel auf dem Bild oben sein soll.
    Aber wieder Achtung bei Portraits, dabei kann es wieder zu Verzerrungen kommen.
    Wenn man schon Personen mit diesem Objektiv fotografiert, dann lieber ein bisschen Abstand halten, dann wirkt sich die Verzerrung nicht so stark aus.
    Außer man will diesen Effekt bewusst haben.

 

  • Normalobjektiv: generell ist die Normalbrennweite 50-70mm, ich habe ein Objektiv kennen gelernt, das eine Brennweite von 24-70mm hat, diese Brennweiten sind sogenannte „allrounder“, da sie sowohl leicht ins Tele, als auch ins Makro gehen. Sie sind perfekt für das Fotografieren im Studio geeignet.


 

  • Teleobjektiv: ab 70mm spricht man vom Telebereich. Dieses Objektiv hat eine Brennweite von 70- 200mm.
    Die größte Blendenöffnung hierbei ist vier, das heißt es ist nicht besonders lichtstark und nur bedingt für Innenräume geeignet.
    Auf Hochzeiten im Freien, bei gutem Licht, verwendet es Sandra für das Fotografieren von den Leuten, also das „stalken“, da man nahe heran zoomen kann und man dadurch nicht stört und entdeckt wird.

 

Teleobjektiv mit Zwischenringe:

Bei Hochzeiten erleichtern diese Zwischenringe Sandra auch das Gepäck und sind perfekt zum Fotografieren der Eheringe und kleinen Accessoires.
Noch ein weiterer Vorteil ist, dass diese Ringe für 40€ eine günstige Alternative sind für ein Makroobjektiv.

Die Zwischenringe werden zwischen der Kamera und dem Objektiv befestigt und zusammengedreht.
Der Vorteil daran ist, dass man einen großen Bildausschnitt aufnehmen kann und trotzdem nahe an das Objekt rangehen kann, ohne dass einem die Naheinstellgrenze ein Hindernis ist die durch die Zusatzringe ausgeschaltet wird.
Das Fokussieren erfolgt nur mit dem Schärfering in der manuellen Einstellung oder durch das Vor- und Zurückgehen. Der Autofokus funktioniert mit den Ringen nicht mehr.
Für mich als Übung und zur ersten Kontaktaufnahme mit dem Tele/Zwischenring- Objektiv fotografierte ich mein Ohrring. Dabei ist das Fokussieren im manuellen Bereich eine Herausforderung und anstrengend für das Auge. Sobald man einen Millimeter daneben liegt, kommt man schon in den Unschärfebereich, wie man hier am Fotogut erkennen kann. Der vordere Strassstein ist schon wieder leicht unscharf. Trotzdem ist ein schönes Bild im Makrobereich entstanden.

 

Zum Schluss noch ein paar praktische Tipps

 

  • Halten der Kamera

Das richtige Halten der Kamera erfolgt so, dass eine Hand das Gehäuse festhält und auf der anderen soll auf der Handfläche das Objektiv aufliegen, sodass die schwere Kamera zusätzlich gestützt ist. Mit dieser Hand am Objektiv wird auch der Schärfering beziehungsweise das Zoom bedient.

 

  • Portraitfotografie

Dabei ist das Gesicht erst ab einer Brennweite von 50mm normal und nicht verzerrt. Richtig natürlich wirkt es dann ab 70mm.

 

  • Objektivwechsel

An der Kamera den Knopf drücken, das Objektiv drehen und wegziehen.
Dabei das Kameragehäuse mit der Öffnung, worin der Spiegel zum Vorschein kommt und die Öffnung nach unten halten, damit kein Staub hineinkommt.
Vorher unbedingt die Kamera ausschalten, da der Sensor den Staub anzieht.

Bezüglich des Schutzes der Objektive durch die Deckel vorne und hinten- dieser wird bei Sandra oft vernachlässigt, da es bei Hochzeiten, speziell während der Trauung schnell gehen soll, um keinen wichtigen Moment zu verpassen.

 

  • Taschen

Den Schutz der losen Objektive gewährt ihnen die Neoprentasche, die Sandra selbst genäht hat und immer in der Nähe von ihr stehen hat. Diese ist wasser- und stoßfest. Wer so eine ähnliche kaufen möchte, dem kann ich diese hier empfehlen: Shootsac
Eine weitere ist die Kameratasche, in der sich sowohl eine Reservekamera, Akkus, Speicherkarten als auch die restlichen Objektive befinden.

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare
  • Katharina
    Veröffentlicht um 12:50h, 11 August Antworten

    Sehr interessanter Artikel – vielen Dank dafür, war für mich sehr informativ. 🙂
    Eine Frage: gibt es bei den Zwischenringen eine Marke, die du empfehlen kannst bzw. welche verwendest du?
    Danke & LG Katharina

    • Sandra Gehmair
      Veröffentlicht um 11:47h, 19 August Antworten

      Hi Katharina 🙂

      Aktuell verwende ich diese hier: http://amzn.to/2xdrYxb

      Und ich finde sie sehr gut. Hatte vorher noch günstigere, allerdings ist dann schnell was abgebrochen. Diese hier finde ich echt gut 🙂 glg Sandra

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