Warum vermeiden so viele Fotografen den Einsatz von Blitzen?

Von vielen Fotografen bekomme ich oft folgende Aussage zu hören „Ich fotografiere nur mit natürlichem Licht!“, was sie aber eigentlich damit meinen ist „Ich habe nie gelernt meinen Blitz richtig einzusetzen!“.

Man liest das auch oft auf den Webseiten von Hochzeitsfotografen und Familienfotografen, direkt nachdem sie ein bisschen über ihre eigene Person geschrieben haben. Es hört sich wirklich gut an wie es manche beschreiben, so natürlich und kein störendes Blitzlicht und es erlaubt den Fotografen in ihrer Komfortzone zu bleiben. Ich kann diese Fotografen verstehen, weniger Zeit um ein Set up aufzubauen, weniger Equipment zu tragen und die Ergebnisse können wirklich genial werden. Sie brauchen kein Studio, können sich vollkommen auf ihre Models/Brautpaare konzentrieren und brauchen sich keine Gedanken darüber machen, warum ihr Blitz nicht auslöst.

Auch ich verwende bei so manchen Fotoshootings überhaupt keinen Blitz, aber dass ich nur mit Available Light (natürlichem, vorhandenen Licht) fotografiere würde ich es nie verkaufen. Mein Ziel ist es immer, dass beste Bild für meine Kunden zu produzieren, sei es jetzt mit natürlichem Licht, mit Blitz oder mit Beidem!

Nicht immer verwöhnt uns die Sonne mit einer perfekten goldenen Stunde und nicht immer kann man die Fotoshootings verschieben. Bei Hochzeiten kommt es nun mal vor, dass es regnet, nebelig ist oder einfach nur stürmt und man indoor fotografieren muss. Ich scherze oft mit meinen Kunden und sage ihnen dass ich die Sonne immer mit dabei habe.
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Das Problem mit dem Blitz

Das Wort Blitzen hat mittlerweile sogar einen sehr negativen Beigeschmack bekommen. „Ein Blitzer“, „der benutzt einen Blitz in der Kirche“, so als müsste jedes Foto wie damals tod geblitzt werden. Meistens kommen solche Aussagen von Fotografen die selber noch keine guten Ergebnisse mit ihrem Blitz erzielt haben.

Der größte Irrglaube bei der Verwendung von Blitzen liegt darin etwas ausleuchten zu müssen. Wenn jemand den Blitz das erste Mal im Einsatz hat, zielt er meistens direkt mit dem Blitzlicht auf sein Motiv und hofft auf das Beste. Es entsteht ein flaches Licht, unvorteilhaft und wirft starke Schlagschatten. Wegen dieser schlechten Erfahrung vermeiden die meisten Fotografen den Einsatz von Blitz und bilden sich darin nicht weiter.

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Bildbeispiel: links frontal geblitzt – harte Schlagschatten, keine weiche Ausleuchtung, rechts indirekt geblitzt

Wenn du als Fotograf aber gerne deinen Blitz weiter ausprobieren möchtest, denk daran, dass du das Licht für soviel mehr verwenden kannst. Du kannst dein Motiv vorteilhaft in Szene setzen, die Aufmerksamkeit darauf lenken, eine Stimmung generieren welche anders gar nicht vorhanden gewesen wäre. Du kannst einen Sonnenuntergang erschaffen wo gar keiner ist! Mit guten Belichtungstechniken kannst du sehr wohl schöne natürliche Fotos erzeugen, vor allem dann wenn gar kein Tageslicht gegeben ist, wie in folgendem Beispiel. Es war ein sehr kleiner Raum und die Fenster waren nicht zugänglich, deshalb wurden die Kleider mit dem Blitz von der Seite angeblitzt um Tiefe zu erzeugen.

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Das können wir von einander lernen

Um nur mit natürlichem Licht zu fotografieren braucht man gute Kenntnisse, wo ist der beste Platz für das Foto und wie holt man das beste aus einer Szene heraus. Nicht immer ist der Einsatz von zu viel Equipment nötig.

Aber ich bin auch sehr froh über die Zeit die ich in meine Blitze investiert und viel ausprobiert habe. Da wo andere mit dem natürlichem Licht anstehen, kann ich mich durch den gezielten Einsatz mit Blitzen abheben.

Ob die Aussage „Ich fotografiere nur mit natürlichem Licht!“ jetzt eine Entschuldigung dafür ist, nicht mit dem Blitz umgehen zu können oder ob es wirklich für den künstlerischen Einsatz ist? Was auch immer der Grund sein mag, es sollte uns nicht daran hindern uns weiterzubilden und verschiedene Fotostile zu akzeptieren.

Aber das Wichtigste ist, dass jeder seinen Fotostil findet und damit seine Kunden glücklich macht.

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